Marti_S
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- 01.03.05
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Hallo zusammen,
vor einiger Zeit gab es hier schon mal eine Diskussion zu obigem Thema. Dank einer Recherche von Ralf Eberle stellte sich heraus, dass nicht, wie oft vermutet, der Kontrastumfang von Farbnegativfilmen höher ist als der einer RAW-Datei, sondern eher umgekehrt. Innerlich konnte mich das noch nicht so recht überzeugen, da ich in der Vergangenheit andere Erfahrungen gemacht hatte. Um diese innere Spannung zu klären entschloss ich mich selber einen Test durchzuführen und möchte euch jetzt mein Ergebnis mitteilen.
Wer die vorangegangene Diskussion noch mal nachlesen will, bitte hier schauen.
Für meinen Vergleich musste meine Nikon D200 herhalten. Bei den Diafilmen habe ich mich für den Fuji Astia entschieden, er arbeitet nicht ganz so Kontrastreich wie andere Diafilme und ist momentan mein Lieblingsdiafilm. Beim Negativfilm fiel die Wahl auf den Fuji Superia Reala, einer der wenigen Farbnegativfilme die noch eine Empfindlichkeit von 100 ISO besitzen. Es war mir nämlich wichtig sicher zu stellen, dass die Bilder jeweils gleich belichtet werden können, damit ein Vergleich von Bild zu Bild möglich ist.
Für alle Aufnahmen wurde dasselbe Objektiv (das manuelle Mikro Nikkor 55mm 1:2,8) verwendet. Um Streulicht auszuschließen wurden die Aufnahmen in einem abgedunkelten Raum von einem Stativ gemacht. Beleuchtet wurde mit 2 kleinen Studioblitzen. Die Belichtung wurde per Lichtmessung mit einem Handbelichtungsmesser ermittelt. Von der normalen Belichtung ausgehend, wurden im Abstand von einer Blendenstufe, insgesamt 4 Blendenstufen unterbelichtet und 4 Blendenstufen überbelichtet.
Die Belichtungsreihe:
Korrekte Belichtung: k:11 / t:1/125 sek.
-1 Blendenstufe: k:16 / t:1/125 sek.
-2 Blendenstufen: k:22 / t:1/125 sek.
-3 Blendenstufen: k:32 / t:1/125 sek.
-4 Blendenstufen: k:32 / t:1/125 sek. + Graufilter 2x
+1 Blendenstufe: k:8 / t:1/125 sek.
+2 Blendenstufen: k:5,6 / t:1/125 sek.
+3 Blendenstufen: k:4 / t:1/125 sek.
+4 Blendenstufen: k:2,8 / t:1/125 sek.
Fotografiert habe ich ein IT8-Target, das sieht so aus:
Die RAW-Dateien wurden in Lightroom bearbeitet, die Negative und Dias wurden mit dem Nikon Coolscan V-ED mit einer Farbtiefe von 14-Bit gescannt und anschließend nachbearbeitet. Die JPEGs blieben unbearbeitet, da sie nur einen visuellen Eindruck der Über-/Unterbelichtung wiedergeben sollen.
Vergleichen möchte ich zunächst den Graukeil im unteren Teil des Bildes.
Normale Belichtung:
-1 Blendenstufe
Der Diafilm kann die Stufen 19-22 nicht mehr unterscheiden und auch der Negativfilm zeigt erste Schwächen.
-2 Blendenstufen
Spätestens hier muss sich auch der Negativfilm geschlagen geben.
-3 Blendenstufen
Die RAW-Aufnahme zeigt auch hier noch Reserven.
-4 Blendenstufen
Nun sind auch in der RAW-Aufnahme schwächen zu erkennen, das Bildrauschen nimmt deutlich zu.
+1 Blendenstufe
Beim Dia sind gerade noch Abstufungen in den hellsten Feldern zu erkennen.
+2 Blendenstufen
Die hellsten Stufen sind im Dia nicht mehr zu unterscheiden
+3 Blendenstufen
Die hellsten Stufen sind in der RAW-Aufnahme nicht mehr zu unterscheiden
+4 Blendenstufen
Im Negativ sind noch Abstufungen zu erkennen, allerdings nimmt in den hellen bereichen die Filmkörnung stark zu und die Gradation verflacht
Im zweiten Vergleich soll die Farbwiedergabe in den dunklen Farbtönen betrachtet werden.
Normale Belichtung
-1 Blendenstufe
-2 Blendenstufen
Bei Dia und Negativfilm sind in den dunkelsten Tönen keine Farben mehr zu erkennen.
-3 Blendenstufen
Die Gradation der Filme verflacht zusehends, die Filmkörnung tritt stark in den Vordergrund.
-4 Blendenstufen
nur das RAW-Bild zeigt bis zuletzt Farbinformationen.
Im dritten Vergleich geht es um die Farbwiedergabe in den Lichtern.
Normale Belichtung
+1 Blendenstufe
In der RAW-Aufnahme ist in der Reihe B bei Cyan und Magenta nur noch ein Grauton zu erkennen, die Farbinformation fehlt hier bereits.
+2 Blendenstufen
Beim Diafilm verläuft der Farbverlust in den hellen Tönen gleichmäßig, während der Farbverlust im RAW-Bild abrupt geschieht.
+3 Blendenstufen
Auch in den hellsten Farbfeldern sind im Negativ noch Farbinformationen enthalten, allerdings nimmt die Körnung zu.
+4 Blendenstufen
Die Grenze des Negativfilms wurde auch hier noch nicht überschritten. Die Bildqualität leidet aber unter Gradationsverflachung und starker Körnung in den Lichtern.
Nach diesem Test wundert es mich nicht, dass es so unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema gibt. Der Negativfilm ist viel gutmütiger gegenüber Überbelichtungen, wer RAW fotografiert kann dafür aus stark unterbelichteten Bildern noch Informationen rauskitzeln. Es gibt also keinen eindeutigen Gewinner.
Natürlich würde mich auch interessieren wie sich die Kameras des Marktführer Canon im Vergleich zu meiner Nikon schlagen. Da ich leider keine Canon besitze kann ich nur auf Vergleiche dritter zurückgreifen. Einen sehr schönen Vergleich findet man z.B. bei dpreview.com, dort wird ein Graukeil mit Abstufungen von 1/3 Blende fotografiert. Der abgebildete Graukeil umfasst insgesamt 40 Stufen, das sind 13 1/3 Blendenstufen.
Die EOS 30D bildet in RAW die Stufen von 37 (dunkelste Stufe) bis 6 (hellste Stufe) ab, das sind insgesamt 10 2/3 Blendenstufen.
Die EOS 5D bildet die Stufen von 34 bis 4 ab, das sind 10 1/3 Blendenstufen.
Die D200 bildet die Stufen von 40 bis 6 ab, das sind 11 2/3 Blendenstufen.
Der Graukeil sagt allerdings nichts über die Farbwiedergabe in den hellsten und Dunkelsten Tonwerten aus. Wichtig für mich ist nur festzustellen, dass andere Kamerahersteller, außer vermutlich Fuji, auch nicht wesentlich besser sind.
Noch eine Vergleichsaufnahme (RAW/Dia), zur Ehrenrettung des Diafilms
Beleuchtung:
Von vorne rechts weiches Licht (Blitz mit Softbox), von hinten links hartes Gegenlicht (Blitz ohne Softbox, etwas herunter geregelt).
Korrekte Belichtung (RAW)
RAW + 1 Blendenstufe überbelichtet und in Lightroom korrigiert.
Links auf dem grauen Karton kommt es bereits zu hässlichen Tonwertabbrüchen.
Dia + 1 Blendenstufe überbelichtet (mit Gradationskurven nachbearbeitet).
Im Gegensatz zum RAW-Bild kommt es beim Diafilm zu keinen abrupten Tonwertabrissen. Nach meinem persönlichen Empfinden wirkt das Dia dadurch angenehmer.
Martin
vor einiger Zeit gab es hier schon mal eine Diskussion zu obigem Thema. Dank einer Recherche von Ralf Eberle stellte sich heraus, dass nicht, wie oft vermutet, der Kontrastumfang von Farbnegativfilmen höher ist als der einer RAW-Datei, sondern eher umgekehrt. Innerlich konnte mich das noch nicht so recht überzeugen, da ich in der Vergangenheit andere Erfahrungen gemacht hatte. Um diese innere Spannung zu klären entschloss ich mich selber einen Test durchzuführen und möchte euch jetzt mein Ergebnis mitteilen.
Wer die vorangegangene Diskussion noch mal nachlesen will, bitte hier schauen.
Für meinen Vergleich musste meine Nikon D200 herhalten. Bei den Diafilmen habe ich mich für den Fuji Astia entschieden, er arbeitet nicht ganz so Kontrastreich wie andere Diafilme und ist momentan mein Lieblingsdiafilm. Beim Negativfilm fiel die Wahl auf den Fuji Superia Reala, einer der wenigen Farbnegativfilme die noch eine Empfindlichkeit von 100 ISO besitzen. Es war mir nämlich wichtig sicher zu stellen, dass die Bilder jeweils gleich belichtet werden können, damit ein Vergleich von Bild zu Bild möglich ist.
Für alle Aufnahmen wurde dasselbe Objektiv (das manuelle Mikro Nikkor 55mm 1:2,8) verwendet. Um Streulicht auszuschließen wurden die Aufnahmen in einem abgedunkelten Raum von einem Stativ gemacht. Beleuchtet wurde mit 2 kleinen Studioblitzen. Die Belichtung wurde per Lichtmessung mit einem Handbelichtungsmesser ermittelt. Von der normalen Belichtung ausgehend, wurden im Abstand von einer Blendenstufe, insgesamt 4 Blendenstufen unterbelichtet und 4 Blendenstufen überbelichtet.
Die Belichtungsreihe:
Korrekte Belichtung: k:11 / t:1/125 sek.
-1 Blendenstufe: k:16 / t:1/125 sek.
-2 Blendenstufen: k:22 / t:1/125 sek.
-3 Blendenstufen: k:32 / t:1/125 sek.
-4 Blendenstufen: k:32 / t:1/125 sek. + Graufilter 2x
+1 Blendenstufe: k:8 / t:1/125 sek.
+2 Blendenstufen: k:5,6 / t:1/125 sek.
+3 Blendenstufen: k:4 / t:1/125 sek.
+4 Blendenstufen: k:2,8 / t:1/125 sek.
Fotografiert habe ich ein IT8-Target, das sieht so aus:
Die RAW-Dateien wurden in Lightroom bearbeitet, die Negative und Dias wurden mit dem Nikon Coolscan V-ED mit einer Farbtiefe von 14-Bit gescannt und anschließend nachbearbeitet. Die JPEGs blieben unbearbeitet, da sie nur einen visuellen Eindruck der Über-/Unterbelichtung wiedergeben sollen.
Vergleichen möchte ich zunächst den Graukeil im unteren Teil des Bildes.
Normale Belichtung:
-1 Blendenstufe
Der Diafilm kann die Stufen 19-22 nicht mehr unterscheiden und auch der Negativfilm zeigt erste Schwächen.
-2 Blendenstufen
Spätestens hier muss sich auch der Negativfilm geschlagen geben.
-3 Blendenstufen
Die RAW-Aufnahme zeigt auch hier noch Reserven.
-4 Blendenstufen
Nun sind auch in der RAW-Aufnahme schwächen zu erkennen, das Bildrauschen nimmt deutlich zu.
+1 Blendenstufe
Beim Dia sind gerade noch Abstufungen in den hellsten Feldern zu erkennen.
+2 Blendenstufen
Die hellsten Stufen sind im Dia nicht mehr zu unterscheiden
+3 Blendenstufen
Die hellsten Stufen sind in der RAW-Aufnahme nicht mehr zu unterscheiden
+4 Blendenstufen
Im Negativ sind noch Abstufungen zu erkennen, allerdings nimmt in den hellen bereichen die Filmkörnung stark zu und die Gradation verflacht
Im zweiten Vergleich soll die Farbwiedergabe in den dunklen Farbtönen betrachtet werden.
Normale Belichtung
-1 Blendenstufe
-2 Blendenstufen
Bei Dia und Negativfilm sind in den dunkelsten Tönen keine Farben mehr zu erkennen.
-3 Blendenstufen
Die Gradation der Filme verflacht zusehends, die Filmkörnung tritt stark in den Vordergrund.
-4 Blendenstufen
nur das RAW-Bild zeigt bis zuletzt Farbinformationen.
Im dritten Vergleich geht es um die Farbwiedergabe in den Lichtern.
Normale Belichtung
+1 Blendenstufe
In der RAW-Aufnahme ist in der Reihe B bei Cyan und Magenta nur noch ein Grauton zu erkennen, die Farbinformation fehlt hier bereits.
+2 Blendenstufen
Beim Diafilm verläuft der Farbverlust in den hellen Tönen gleichmäßig, während der Farbverlust im RAW-Bild abrupt geschieht.
+3 Blendenstufen
Auch in den hellsten Farbfeldern sind im Negativ noch Farbinformationen enthalten, allerdings nimmt die Körnung zu.
+4 Blendenstufen
Die Grenze des Negativfilms wurde auch hier noch nicht überschritten. Die Bildqualität leidet aber unter Gradationsverflachung und starker Körnung in den Lichtern.
Nach diesem Test wundert es mich nicht, dass es so unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema gibt. Der Negativfilm ist viel gutmütiger gegenüber Überbelichtungen, wer RAW fotografiert kann dafür aus stark unterbelichteten Bildern noch Informationen rauskitzeln. Es gibt also keinen eindeutigen Gewinner.
Natürlich würde mich auch interessieren wie sich die Kameras des Marktführer Canon im Vergleich zu meiner Nikon schlagen. Da ich leider keine Canon besitze kann ich nur auf Vergleiche dritter zurückgreifen. Einen sehr schönen Vergleich findet man z.B. bei dpreview.com, dort wird ein Graukeil mit Abstufungen von 1/3 Blende fotografiert. Der abgebildete Graukeil umfasst insgesamt 40 Stufen, das sind 13 1/3 Blendenstufen.
Die EOS 30D bildet in RAW die Stufen von 37 (dunkelste Stufe) bis 6 (hellste Stufe) ab, das sind insgesamt 10 2/3 Blendenstufen.
Die EOS 5D bildet die Stufen von 34 bis 4 ab, das sind 10 1/3 Blendenstufen.
Die D200 bildet die Stufen von 40 bis 6 ab, das sind 11 2/3 Blendenstufen.
Der Graukeil sagt allerdings nichts über die Farbwiedergabe in den hellsten und Dunkelsten Tonwerten aus. Wichtig für mich ist nur festzustellen, dass andere Kamerahersteller, außer vermutlich Fuji, auch nicht wesentlich besser sind.
Noch eine Vergleichsaufnahme (RAW/Dia), zur Ehrenrettung des Diafilms
Beleuchtung:
Von vorne rechts weiches Licht (Blitz mit Softbox), von hinten links hartes Gegenlicht (Blitz ohne Softbox, etwas herunter geregelt).
Korrekte Belichtung (RAW)
RAW + 1 Blendenstufe überbelichtet und in Lightroom korrigiert.
Links auf dem grauen Karton kommt es bereits zu hässlichen Tonwertabbrüchen.
Dia + 1 Blendenstufe überbelichtet (mit Gradationskurven nachbearbeitet).
Im Gegensatz zum RAW-Bild kommt es beim Diafilm zu keinen abrupten Tonwertabrissen. Nach meinem persönlichen Empfinden wirkt das Dia dadurch angenehmer.
Martin