Fototechnik allgemein Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Marti_S

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Hallo zusammen,

vor einiger Zeit gab es hier schon mal eine Diskussion zu obigem Thema. Dank einer Recherche von Ralf Eberle stellte sich heraus, dass nicht, wie oft vermutet, der Kontrastumfang von Farbnegativfilmen höher ist als der einer RAW-Datei, sondern eher umgekehrt. Innerlich konnte mich das noch nicht so recht überzeugen, da ich in der Vergangenheit andere Erfahrungen gemacht hatte. Um diese innere Spannung zu klären entschloss ich mich selber einen Test durchzuführen und möchte euch jetzt mein Ergebnis mitteilen.

Wer die vorangegangene Diskussion noch mal nachlesen will, bitte hier schauen.

Für meinen Vergleich musste meine Nikon D200 herhalten. Bei den Diafilmen habe ich mich für den Fuji Astia entschieden, er arbeitet nicht ganz so Kontrastreich wie andere Diafilme und ist momentan mein Lieblingsdiafilm. Beim Negativfilm fiel die Wahl auf den Fuji Superia Reala, einer der wenigen Farbnegativfilme die noch eine Empfindlichkeit von 100 ISO besitzen. Es war mir nämlich wichtig sicher zu stellen, dass die Bilder jeweils gleich belichtet werden können, damit ein Vergleich von Bild zu Bild möglich ist.

Für alle Aufnahmen wurde dasselbe Objektiv (das manuelle Mikro Nikkor 55mm 1:2,8) verwendet. Um Streulicht auszuschließen wurden die Aufnahmen in einem abgedunkelten Raum von einem Stativ gemacht. Beleuchtet wurde mit 2 kleinen Studioblitzen. Die Belichtung wurde per Lichtmessung mit einem Handbelichtungsmesser ermittelt. Von der normalen Belichtung ausgehend, wurden im Abstand von einer Blendenstufe, insgesamt 4 Blendenstufen unterbelichtet und 4 Blendenstufen überbelichtet.

Die Belichtungsreihe:
Korrekte Belichtung: k:11 / t:1/125 sek.
-1 Blendenstufe: k:16 / t:1/125 sek.
-2 Blendenstufen: k:22 / t:1/125 sek.
-3 Blendenstufen: k:32 / t:1/125 sek.
-4 Blendenstufen: k:32 / t:1/125 sek. + Graufilter 2x
+1 Blendenstufe: k:8 / t:1/125 sek.
+2 Blendenstufen: k:5,6 / t:1/125 sek.
+3 Blendenstufen: k:4 / t:1/125 sek.
+4 Blendenstufen: k:2,8 / t:1/125 sek.

Fotografiert habe ich ein IT8-Target, das sieht so aus:
Terget.jpg


Die RAW-Dateien wurden in Lightroom bearbeitet, die Negative und Dias wurden mit dem Nikon Coolscan V-ED mit einer Farbtiefe von 14-Bit gescannt und anschließend nachbearbeitet. Die JPEGs blieben unbearbeitet, da sie nur einen visuellen Eindruck der Über-/Unterbelichtung wiedergeben sollen.


Vergleichen möchte ich zunächst den Graukeil im unteren Teil des Bildes.
Normale Belichtung:
0ev_graukeil_vergleich.jpg



-1 Blendenstufe
Der Diafilm kann die Stufen 19-22 nicht mehr unterscheiden und auch der Negativfilm zeigt erste Schwächen.
min1ev_graukeil_vergleich.jpg



-2 Blendenstufen
Spätestens hier muss sich auch der Negativfilm geschlagen geben.
min2ev_graukeil_vergleich.jpg



-3 Blendenstufen
Die RAW-Aufnahme zeigt auch hier noch Reserven.
min3ev_graukeil_vergleich.jpg



-4 Blendenstufen
Nun sind auch in der RAW-Aufnahme schwächen zu erkennen, das Bildrauschen nimmt deutlich zu.
min4ev_graukeil_vergleich.jpg



+1 Blendenstufe
Beim Dia sind gerade noch Abstufungen in den hellsten Feldern zu erkennen.
1ev_graukeil_vergleich.jpg



+2 Blendenstufen
Die hellsten Stufen sind im Dia nicht mehr zu unterscheiden
2ev_graukeil_vergleich.jpg



+3 Blendenstufen
Die hellsten Stufen sind in der RAW-Aufnahme nicht mehr zu unterscheiden
3ev_graukeil_vergleich.jpg



+4 Blendenstufen
Im Negativ sind noch Abstufungen zu erkennen, allerdings nimmt in den hellen bereichen die Filmkörnung stark zu und die Gradation verflacht
4ev_graukeil_vergleich.jpg



Im zweiten Vergleich soll die Farbwiedergabe in den dunklen Farbtönen betrachtet werden.
Normale Belichtung
0ev_schatten_vergleich.jpg



-1 Blendenstufe
min1ev_schatten_vergleich.jpg



-2 Blendenstufen
Bei Dia und Negativfilm sind in den dunkelsten Tönen keine Farben mehr zu erkennen.
min2ev_schatten_vergleich.jpg



-3 Blendenstufen
Die Gradation der Filme verflacht zusehends, die Filmkörnung tritt stark in den Vordergrund.
min3ev_schatten_vergleich.jpg



-4 Blendenstufen
nur das RAW-Bild zeigt bis zuletzt Farbinformationen.
min4ev_schatten_vergleich.jpg



Im dritten Vergleich geht es um die Farbwiedergabe in den Lichtern.
Normale Belichtung
0ev_lichter_vergleich.jpg



+1 Blendenstufe
In der RAW-Aufnahme ist in der Reihe B bei Cyan und Magenta nur noch ein Grauton zu erkennen, die Farbinformation fehlt hier bereits.
1ev_lichter_vergleich.jpg



+2 Blendenstufen
Beim Diafilm verläuft der Farbverlust in den hellen Tönen gleichmäßig, während der Farbverlust im RAW-Bild abrupt geschieht.
2ev_lichter_vergleich.jpg



+3 Blendenstufen
Auch in den hellsten Farbfeldern sind im Negativ noch Farbinformationen enthalten, allerdings nimmt die Körnung zu.
3ev_lichter_vergleich.jpg



+4 Blendenstufen
Die Grenze des Negativfilms wurde auch hier noch nicht überschritten. Die Bildqualität leidet aber unter Gradationsverflachung und starker Körnung in den Lichtern.
4ev_lichter_vergleich.jpg



Nach diesem Test wundert es mich nicht, dass es so unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema gibt. Der Negativfilm ist viel gutmütiger gegenüber Überbelichtungen, wer RAW fotografiert kann dafür aus stark unterbelichteten Bildern noch Informationen rauskitzeln. Es gibt also keinen eindeutigen Gewinner.

Natürlich würde mich auch interessieren wie sich die Kameras des Marktführer Canon im Vergleich zu meiner Nikon schlagen. Da ich leider keine Canon besitze kann ich nur auf Vergleiche dritter zurückgreifen. Einen sehr schönen Vergleich findet man z.B. bei dpreview.com, dort wird ein Graukeil mit Abstufungen von 1/3 Blende fotografiert. Der abgebildete Graukeil umfasst insgesamt 40 Stufen, das sind 13 1/3 Blendenstufen.
Die EOS 30D bildet in RAW die Stufen von 37 (dunkelste Stufe) bis 6 (hellste Stufe) ab, das sind insgesamt 10 2/3 Blendenstufen.
Die EOS 5D bildet die Stufen von 34 bis 4 ab, das sind 10 1/3 Blendenstufen.
Die D200 bildet die Stufen von 40 bis 6 ab, das sind 11 2/3 Blendenstufen.
Der Graukeil sagt allerdings nichts über die Farbwiedergabe in den hellsten und Dunkelsten Tonwerten aus. Wichtig für mich ist nur festzustellen, dass andere Kamerahersteller, außer vermutlich Fuji, auch nicht wesentlich besser sind.

Noch eine Vergleichsaufnahme (RAW/Dia), zur Ehrenrettung des Diafilms ;)
Beleuchtung:
Von vorne rechts weiches Licht (Blitz mit Softbox), von hinten links hartes Gegenlicht (Blitz ohne Softbox, etwas herunter geregelt).

Korrekte Belichtung (RAW)
_DSC2334-small.jpg



RAW + 1 Blendenstufe überbelichtet und in Lightroom korrigiert.
Links auf dem grauen Karton kommt es bereits zu hässlichen Tonwertabbrüchen.
hase1ev_DSC2335-small.jpg



Dia + 1 Blendenstufe überbelichtet (mit Gradationskurven nachbearbeitet).
hase1ev-small.jpg



Im Gegensatz zum RAW-Bild kommt es beim Diafilm zu keinen abrupten Tonwertabrissen. Nach meinem persönlichen Empfinden wirkt das Dia dadurch angenehmer.

Martin
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo Martin,

gratuliere und Respekt für diese solide Grundlagenforschung!

Rabe
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo!

Tolle Arbeit, nun hat man was zum Zitieren bei Bedarf. Bleiben die Bilder dauerhaft zugriffsfähig?

Der Negativfilm ist viel gutmütiger gegenüber Überbelichtungen
Ja, das ist nichts Neues, siehe

Der Analogfilm verzeiht Überbelichtung eher, da er im hellen Tonwertbereich weniger empfindlich ist und die Tonwerte quasi komprimiert. Das heißt, die Empfindlichkeitskurve flacht ab. Digital dagegen ist die Empfindlichkeitskurve praktisch linear, so daß man leichter übers Maximum rausschießt. Erfahrene DigiFotografen, die oft unter rasch wechselnden Lichtbedingungen fotografieren, belichten ihre Bilder pauschal ca. ein oder zwei Drittel Blendenstufen unter.

Die plötzliche Linearität der Tonwertempfindlichkeit des Aufnahmemediums stellt die meisten Umsteiger vor Probleme. Doch letztlich ist sie wahrhaftiger, während der Film nur eigentlich Belichtungsfehler durch höhere Toleranz kompensierte.
Gruß,

Ralf
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Super, was für eine Arbeit du dir gemacht hast! Mein Respekt für diese Arbeit, die ich in dieser praxisnahen Zusammenstellung so noch nirgendwo im Netz gesehen habe!

Was sich letztlich auch bei dir wieder bestätigt: Keine eindeutigen Vorteile beim Belichtungsumfang für die analoge Fraktion bis auf das gutmütige Verhalten bei Spitzlichtern. Wer diese Sicherheit braucht, muss wohl zu einer Finepix S3/S5 Pro greifen...

Gruß, Olaf
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Tolle Arbeit Martin - danke!
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

super Martin-danke!;D ;D

Wäre klasse,wenn der Artikel dauerhaft bleiben könnte!!

Das interessiert nicht nur FF User.
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

|) "Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
kriegt augenblicklich Junge."
Wilhelm Busch​

Ach, gäbe es auch Untersuchungen über Farbsäume und blooming zwischen analog und digital |)
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Prima erarbeitet, danke!
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

@all
Vielen Dank für die Blumen :)

ralfeberle schrieb:
Tolle Arbeit, nun hat man was zum Zitieren bei Bedarf. Bleiben die Bilder dauerhaft zugriffsfähig?
Ich hab nicht vor sie zu löschen, kann aber für die Zukunft nichts garantieren.

ralfeberle schrieb:
Ja, das ist nichts Neues, siehe
Das es nichts Neues ist, da hast du bestimmt recht.
Der Analogfilm verzeiht Überbelichtung eher, da er im hellen Tonwertbereich weniger empfindlich ist und die Tonwerte quasi komprimiert. Das heißt, die Empfindlichkeitskurve flacht ab.
Mit dem hellen Tonwertbereich meinst du das was man in einer Schwärzungskurve auch als Schulter bezeichnet, das ist natürlich richtig. Im Vergleich D200 zu Negativfilm schätze ich allerdings ein mehr an Belichtungsspielraum (im hellen Bereich) für den Nega-Film von mindestens 2 Blendenstufen, das dürfte sich nicht alles im „komprimierten Bereich (Schulter)“ bewegen. Wenn man den Verlust an Farbinformationen bei RAW mit einbezieht sogar eher mehr. Aus deinem Zitat kann ich das nicht direkt ableiten, auch auf der Seite von Clarkvision.com, auf die du ja in einem anderen Thread hingewiesen hast, kann ich diezbezüglich keine Information finden. Mein englisch ist aber auch nicht so toll und außerdem hatte der bei seinem Vergleich eine Canon 1D mark II und einen 200er Kodak Gold Film ;D

|) "Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
kriegt augenblicklich Junge."
Wilhelm Busch​

Ach, gäbe es auch Untersuchungen über Farbsäume und blooming zwischen analog und digital |)
Das ist bestimmt noch schwieriger zu realisieren, schon allein bei den DSLRs gibt es ca.4 verschiedene Sensorgrößen.

Martin
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo, Martin,

tolle Arbeit, die Du da gemacht hast. Ich kann nachvollziehen, daß Du viel Zeit dafür opfern mußtest. Dafür ist es eben nicht oberflächlich, alles ist nachvollziehbar.
Als jemand, der vom Diafilm kommt, brauche ich mich beim Umstieg auf digital ja nicht so sehr umstellen. Überbelichtung war ja schon vorher unbedingt zu vermeiden.

Gruß

Gernot
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Wow,

vielen Dank für die Erklärungen. Ich sag es immer wieder: Beispiele, Beispiele, Beispiele. Ein paar Bilder sagen mehr als viele, viele Zeilen Text (obwohl ich gerne tippe :) )
Ok, die Gewinnung der "paar Bilder" ist ein sch...s Haufen Arbeit gewesen!

Wenn ich es richtig sehe, hilft es bei RAW-Aufnahmen tendenziell eher unterzubelichten? ???

grüssle Joghi
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Wenn ich es richtig sehe, hilft es bei RAW-Aufnahmen tendenziell eher unterzubelichten? ???

Ehhhmmm - Joghi, du hast doch hoffentlich aus den Bildbeispielen etwas mehr als diese "Uralt-Binsenweisheit" gezogen...;D

Du weißt aber, wie ich es meinte?;)

Gruß

Günter
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo Martin,

Klasse Grundlagenarbeit.
Das ist so ein Beitrag, den ich mir in einem Thread für Foto-Grundlagen vorstellen könnte, oder sonst einen Ort, den wirklich jeder FF-Forumsleser mal als Pflichtlektüre zu zumindest zu sehen bekommt.
D. h. aber nicht, dass ich jetzt alle Bilder in Raw aufnehme. Denn wie auch in Deiner Arbeit zu sehen ist, sind auch noch Reserven in JPEG/Tiff, wenn sie auch nicht ansatzweise so groß sind wie in Raw. Vielleicht sind aber auch nur meine Ansprüche entsprechend niedriger und der Rechner langsamer für größere Mengen ;)
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo,
Wenn ich es richtig sehe, hilft es bei RAW-Aufnahmen tendenziell eher unterzubelichten? ???

grüssle Joghi

tendenziell haben RAW-Bilder tatsächlich mehr Spielraum in den Schatten, dennoch gibt es von Kamera zu Kamera unterschiede. Die Canons haben z.B. etwas mehr Reserven in den Lichtern als die Nikons, wobei das natürlich von Model zu Model variieren kann. Grundsätzlich ist es natürlich das Beste korrekt zu belichten (fragt sich blos wie, gell ;D ), im Zweifelsfall (starke Kontraste), bei RAWs und besonders bei JPEGs, etwas knapper belichten. Man könnte auch sagen man sollte auf die Lichter belichten, also so belichten, dass die im Bild wichtigen hellsten stellen noch Zeichnung besitzen. Das ist aber wieder ein neues Thema und nicht umsonst gibt es dazu auch schon eine ganze Reihe von Büchern.

Martin
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo Martin,

danke für die verständlichen Ausführungen zur korrekten Belichtung. Ich denke, vielen, die hier mitlesen, sind bestimmte "Binsenweisheiten" noch nicht so geläufig (gell, Günter ;)). So anschaulich und leicht verständlich hat das Thema RAW/Film bisher kaum einer erklärt... :).

lg Joghi
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo,
es ist natürlich eine gute, ausführliche Arbeit, allerdings bin ich nicht ganz so begeistert wie alle anderen. Grund: ich meine, dass man für diesen Test keine Aufsichtsvorlage nehmen kann. Diese Vorlage weist bei Digitalpapier eine maximale Dichte von ca. 2,2 - 2,4 auf, d.h. abzüglich eines Grundschleiers in den Lichtern wird diese Vorlage selbst sicher nur einen Kontrastumfang von <= 8 Blenden aufweisen.

Schon in dem ersten Vergleich wird dies eigentlich sichtbar. Hier sieht es so aus, als wäre der Diafilm nicht einmal in der Lage, in den Schatten dem Vergleich mit RAW oder jpeg standzuhalten weil hier keine wirklich hohe, neutrale Dichte erreicht wird (oder liegt das an meinem Monitor).
Ich würde es eher auf den Scan schieben.

Wenn jetzt ein Dia unterbelichtet wird um später über einen scan wieder auf "Normalbelichtung" gebracht zu werden ist klar, dass ein starkes Rauschen sichtbar wird.

Ich möchte aber nicht meckern sondern einen konstruktiven Vorschlag machen. Da ich nicht die entsprechende Ausrüstung besitze, habe ich leider keine Möglichkeit diesen Test selbst durchzuführen. Also: Es gibt diese Testcharts auch als Durchsichtsvorlage. Diese weisen dann eine Maximaldichte von ca. 3,6 auf, das entspricht ungefähr 12 Blenden. Wenn man jetzt über ein Diakopiervorsatz ein einziges Foto macht, kann man sehen, bei welchen Stufen im Graukeil die Lichter aufreißen bzw. die Schatten dichtlaufen.
Ich bin überzeugt, dass dann der Diafilm am besten abschneidet. Nicht weil ich ein dogmatisch bin, sondern weil ich weiß, dass meine D50 nicht solche Objektkontraste verarbeiten kann wie ein Diafilm.

Zu dem Tip der generellen Unterbelichtung: Nichts ist schlimmer, als ausgefressene Lichter - die Schatten kann man mittels EBV retten. Also mache ich das auch mit der Unterbelichtung, jedenfalls bei Sonnenschein, immer mit der Gefahr des Rauschens im Nacken. Hier sieht man, welchen Spagat man machen muss um mit dem noch mangelnden Kostrastumfang der Chips klar zu kommen.
Ich meine, die Hersteller sollten sich nicht so sehr um noch mehr Pixel bemühen sondern versuchen, die Verarbeitung von hohen Kontrasten besser in den Griff zu bekommen.

Gruss
Ralph
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo Ralph,

erstmal herzlich willkommen im Forum. Danke für Deine Info. Du scheinst zu wissen wovon Du redest, deshalb würde - zumindest ich - gerne mehr von Dir hören ....

lg Joghi
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo!

... dann der Diafilm am besten abschneidet. Nicht weil ich ein dogmatisch bin, sondern weil ich weiß, dass meine D50 nicht solche Objektkontraste verarbeiten kann wie ein Diafilm.
Schön wärs ja. Mein Scanner löst D 3,6 bzw. 12 Bit auf. Egal welche Tricks ich in der Nachbearbeitung der Diascans anwandte, über 6 Bit Tonwertumfang kommen die einfach nicht raus.

Zu dem Tip der generellen Unterbelichtung: Nichts ist schlimmer, als ausgefressene Lichter - die Schatten kann man mittels EBV retten.
Abgesoffene Schatten sind genauso schlimm und unrettbar wie ausgefressene Lichter, also Tonwerte von exakt 0 oder 255. Ich denke aber, daß für den Betrachter überbelichtete Stellen stärker auffallen als unterbelichtete und daher ein Bild mit Überbelichtungen schneller unansehnlich wirkt.

Überbelichtungen unkorrigierbar?

rme_XIEtIO4t_k.jpg


Mitnichten:

rme_XIEtIO4t2_k2.jpg


Gruß,

Ralf
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

Hallo,
es ist natürlich eine gute, ausführliche Arbeit, allerdings bin ich nicht ganz so begeistert wie alle anderen. Grund: ich meine, dass man für diesen Test keine Aufsichtsvorlage nehmen kann. Diese Vorlage weist bei Digitalpapier eine maximale Dichte von ca. 2,2 - 2,4 auf, d.h. abzüglich eines Grundschleiers in den Lichtern wird diese Vorlage selbst sicher nur einen Kontrastumfang von <= 8 Blenden aufweisen.
ich würde schätzen, das der Kontrastumfang der Vorlage sogar geringer als 5 Blenden ist. Deshalb habe ich ja auch eine Belichtungsreihe gemacht.
Schon in dem ersten Vergleich wird dies eigentlich sichtbar. Hier sieht es so aus, als wäre der Diafilm nicht einmal in der Lage, in den Schatten dem Vergleich mit RAW oder jpeg standzuhalten weil hier keine wirklich hohe, neutrale Dichte erreicht wird (oder liegt das an meinem Monitor).
Ich würde es eher auf den Scan schieben.
Das Problem warum die dunkelsten stellen kaum zu unterscheiden sind liegt m.E. daran, dass die Abstufungen des Graukeils vermutlich nicht ganz gleichmäßig sind. Die Abstufungen scheinen in den Schatten geringer zu sein. Das Dia habe ich mit einer Farbtiefe von14 Bit gescannt. Da ich ein Analog-Fan bin, habe ich sehr darauf geachtet, dass das Dia nicht zu kurz kommt und sogar das Scannerlicht etwas hochgeregelt. Wenn ich die Zeit dazu finde werde ich das aber nochmal überprüfen und mich gegebenenfalls melden.
Wenn jetzt ein Dia unterbelichtet wird um später über einen scan wieder auf "Normalbelichtung" gebracht zu werden ist klar, dass ein starkes Rauschen sichtbar wird.
Ja, aber hier sind ja die Voraussetzung für Digital und Analog gleich, ein RAW das in der Belichtung korrigiert wird rauscht in den Schatten auch mehr.
Ich möchte aber nicht meckern sondern einen konstruktiven Vorschlag machen. Da ich nicht die entsprechende Ausrüstung besitze, habe ich leider keine Möglichkeit diesen Test selbst durchzuführen. Also: Es gibt diese Testcharts auch als Durchsichtsvorlage. Diese weisen dann eine Maximaldichte von ca. 3,6 auf, das entspricht ungefähr 12 Blenden. Wenn man jetzt über ein Diakopiervorsatz ein einziges Foto macht, kann man sehen, bei welchen Stufen im Graukeil die Lichter aufreißen bzw. die Schatten dichtlaufen.
Ich bin überzeugt, dass dann der Diafilm am besten abschneidet.
Vielleicht werde ich das sogar mal ausprobieren, ich glaube allerdings nicht, dass der Diafilm dann insgesamt besser abschneidet.
Nicht weil ich ein dogmatisch bin, sondern weil ich weiß, dass meine D50 nicht solche Objektkontraste verarbeiten kann wie ein Diafilm.
Hast du dazu Beispielbilder? Ich muß ganz ehrlich sagen, dass ich vor meinem Test nicht geahnt habe wieviel Reserven in den Schatten eines RAW-Bildes noch schlummern. Da du eine D50 hast, könnte das Ergebnis allerdings etwas anders ausfallen als bei meinem Vergleich, ich habe bei dem Test auch eine Belichtungsreihe mit meiner D70 gemacht, die schneidet in den Schatten ungefähr eine Blendenstufe schlechter ab.
Zu dem Tip der generellen Unterbelichtung: Nichts ist schlimmer, als ausgefressene Lichter - die Schatten kann man mittels EBV retten. Also mache ich das auch mit der Unterbelichtung, jedenfalls bei Sonnenschein, immer mit der Gefahr des Rauschens im Nacken. Hier sieht man, welchen Spagat man machen muss um mit dem noch mangelnden Kostrastumfang der Chips klar zu kommen.
Ich meine, die Hersteller sollten sich nicht so sehr um noch mehr Pixel bemühen sondern versuchen, die Verarbeitung von hohen Kontrasten besser in den Griff zu bekommen.
Das Problem ist m.E. nicht der geringe Kontrastumfang der Chips sondern noch immer die korrekte Belichtung. Wenn man sich den Vergleich anschaut wird man Feststellen, dass der Kontrastumfang von RAW-Bildern insgesamt größer ist als der eines Diafilms und ungefähr dem eines Negativfilms gleicht. Allerdings liegt der Belichtungsspielraum bei Digis halt in den Schatten und beim Negativ in den Llichtern. Das Verhalten des Negativfilms ist mir persönlich auch sympatischer, aber wenn man RAW mit Dia vergleicht, kann man sich eigentlich nicht beschweren.

Ich lese zur Zeit ein Buch mit dem Titel „Correct Exposures by Choice not Chance“ Simplified Zone System von Bahman Farzad. Ein Buch das ich nur empfehlen kann. Ich selber bin gelernter Fotograf und habe auch schon Bücher wie „Das Negativ“ von Ansel Adams gelesen, aber ich muss zugeben, dass ich noch nirgends eine so illustrative Erklärung zum Thema richtige Belichtung gesehen habe. Auch wenn die Zeichnungen und Illustrationen in dem Buch eher laihenhaft sind und man keine farbigen Bilder darin findet, schadet das dem Thema nicht und ist für optisch verwöhnte allenfalls ein Schönheitsfehler. Fortgeschrittene Fotografen mögen angesichts des Buches vielleicht die Nase rümpfen, in dem Buch bringt es Bahman Farzad jedoch zuwege ein hoch komplexes Thema, selbst unbedarften Anfängern, nahe zu bringen. Denjenigen, die mit der richtigen Belichtung Probleme haben, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Obwohl in englisch geschrieben habe ich, mit begrenzten Englisch-Kenntnissen, kein Problem gehabt es zu lesen. Ich habe es bei Amazon gekauft und kenne momentan auch keine andere Bezugsquelle.

Martin
 
AW: Kontrastumfang: Vergleich zwischen RAW und Filmmaterial

...
sicher nur einen Kontrastumfang von <= 8 Blenden aufweisen.
...

Hi,

wenn ich das richtig sehe geht's hier nicht darum, mit einer Aufnahme den max. darstellbaren Kontrastumfang eines "Mediums" (Film/Dia/Sensor) "einzufangen". Dafür muss man die Bilder einer Belichtungsreihe zusammen betrachten, da durch gezielte Über-/Unterbelichtung die Grenzen nach oben/unten ausgelotet werden.

mfg ao
 
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